Habilitation

Neben der theoretischen wie praktischen Auseinandersetzung mit den neuen Medien in der Musik und Musikwissenschaft, liegt mit der vorliegenden Veröffentlichung der Forschungsschwerpunkt innerhalb der musikalischen Performance

»Musikinformatische Ansätze zur Analyse und Interpretation von J. S. Bachs ›Kunst der Fuge‹«

(ursprünglicher Titel:
»Analyse- und Interpretationsperspektiven zu
Johann Sebastian Bachs ‘Kunst der Fuge’
mit Werkzeugen der objektorientierten Informationstechnologie«)

 

Aus Sicht der analytischen Ansätze Wolfgang Graesers wurde Bachs “Kunst der Fuge” mit neuen Analysemethoden und Werkzeugen verifiziert. Die musikalischen Daten wurden untersucht, die ihnen unterliegenden musikalischen Strukturen erfasst, die Interaktionen der verschiedenen Strukturen und Mechanismen im Computer modelliert und einer formalen Beschreibung unterzogen. Auf Grund der gewonnenen Analyseergebnisse wurden Interpretationsvorschläge erarbeitet; neben den analytischen Erkenntnissen war es das Hauptziel, einige Contrapuncte aus Bachs “Kunst der Fuge” dementsprechend zu interpretieren. Anhand von einem Contrapunctus und einem Kanon wurde versucht, eine weitgehnd künstlerisch befriedigende Wiedergabe zu erzielen. Bei den beiden Stücken handelte es sich

um Contrapunctus III

 

und den Augmentationskanon.

 

Für die Interpretationen wurden die analytischen Ergebnisse sowohl des gesamten Contrapunctus bzw. des gesamten Kanons und seiner separaten Einzelstimmen verwendet. Der detaillierte analytische und interpretatorische Weg ist in der Arbeit ausführlich beschrieben.

Die klangliche Wiedergabe wurde mit einem Kurzweil Digitalpiano realisiert, da der Yamaha Diskflügel auf die dynamischen und artikulatorischen Feinheiten zu grob reagierte und ein Bösendorfer Computerflügel nicht zu Verfügung gestellt werden konnte.

Als zentrales Werkzeug für die Analyse und Interpretation diente die Performance-Workstation RUBATO, die von Guerino Mazzola und Oliver Zahorka am Zürcher Multimedia Lab entwickelt wurde. Mit RUBATO wurden die Analysen im Hinblick auf die Vieldeutigkeit der Interpretation durchgeführt, im Sinne des Entwurfs einer Interpretationsgrammatik für die “Kunst der Fuge”. Der analytische Diskurs begnügt sich daher nicht nur mit einer schriftlichen Form, er ist auch in hypermedialer Form nachvollziehbar.

 

Die Veröffentlichung beim epOs-Verlag der Universität Osnabrück erfolgte 2014 als Band 27 in der Reihe »Beiträge zur Systematischen Musikwissenschaft«, hrsg. v. Bernd Enders.