Wintersemester 2017/18
Universität Hamburg

Das Requiem – eine musikalische Inszenierung des Todes

Vorlesung (eine Veranstaltung der Arbeisstelle für wissenschaftliche Weiterbildung)

Montags 16.15 – 17.45, Hörsaal Phil D
Temine: wöchentlich ab dem 13. November 2017 bis zum 15. Januar 2018

Mit den Vertonungen des Requiemtextes im 19. Jahrhundert wurde eine musikalische Inszenierung des Todes auf verschiedenen Ebenen vorgenommen: War mit Berlioz’ „Grande Messe des Morts“ die Grenze zur Monumentalität überschritten und mit Verdis „Messa da Requiem“ die Grenze zur Oper erreicht, verweigerten sich Komponisten wie Gabriele Fauré den ausufernden Darstellungen des jüngsten Gerichtes. Korrespondierend zu einer sich verändernden Sichtweise des Todes, wird das Requiem einerseits zu einem kunstreligiösen Konzertereignis, während andererseits gezielte Werkkonzeptionen – wie die von Franz Liszt oder Anton Bruckner – weiterhin eine Verwendung im Trauergottesdienst vorsahen. Dieser tiefgreifende Wandel zwischen liturgischer und säkularer Gebundenheit, der mit der Rezeption von Mozarts Requiem seinen Anfang nahm, führte zu einer Vielfalt von Interpretationen eines lateinischen Textes, der für die „Missa pro defunctis“, der Messe für die Verstorbenen, seit dem Konzil von Trient im Jahre 1545 verbindlich festgelegt wurde und als Proprium Missae ein Bestandteil der katholischen Liturgie ist. Neben gezielten Eingriffen in die vorgegebene Textgestaltung, die meistens aus dramaturgischen Gesichtspunkten erfolgten, entstanden Requiem-Kompositionen nach eigens zusammengestellten biblischen oder literarischen Texten (Brahms’ „Ein deutsches Requiem“, Schumanns „Requiem für Mignon“).

Die Vorlesung geht diesen sich kompositorischen und dramaturgischen Veränderungen anhand der Diskussion beispielhafter Werke nach und thematisiert ebenso die ästhetischen Gesichtspunkte der Komponisten wie die jeweiligen Anlässe für die Entstehung der Kompositionen.