Winterersemester 2022/23
Universität Hamburg

Singen, Sprechen, Schreien – musikalische Verlautbarungen

Vorlesung (eine Veranstaltung des Zentrum für Weiterbildung)

Mittwochs 16.15 – 17.45, online
Termine: 26.10.,
2.11., 16.11., 23.11., 30.11.,
7.12., 14.12. und 21.12.2022

Mit dem Vermögen, Laute, Töne und Sprache zu erzeugen, ist uns Menschen eine Kommunikationsform gegeben, die nicht nur zur Verständigung, zur Informationsübermittlung, sondern auch zu künstlerischen »Verlautbarungen« befähigt. Die Übergänge zwischen bestimmten sprachlichen und musikalischen Lautbildungen können dabei fließend sein.

Ausgangspunkt sind die weit gefächerten Ausdrucksmöglichkeiten des Gesangs (das Lied als vertonte und damit gedeutete Lyrik) und des Singens ohne Text. Dem gegenüber steht der Sprechgesang, angesiedelt zwischen Singen und Rezitieren, verkörpert im Rezitativ (in gesungener oder gesprochener Form), dem Melodram, einer Verbindung von Instrumentalmusik und gesprochenem Text, und der besondern Form des tonhöhengebundenen rhythmischen Deklamierens, wie sie sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgeprägt hatte. Zusammen mit dem Schrei als einer hochemotionalen, meist unartikulierten Lautäußerung, etablierten sich in dieser Zeit völlig neue Formen von Lautgedichten, in denen die Semantik, die inhaltliche Botschaft, hinter einer Musikalisierung der Sprache zurücktrat.

Anhand beispielhafter Werke werden diese Stationen nachgezeichnet und in ihren unterschiedlichen Aspekten beleuchtet.