Winterersemester 2020/21
Universität Hamburg

Das Streichquartett. Ein geistvolles Gespräch unter Vier

Vorlesung (eine Veranstaltung des Zentrum für Weiterbildung)

Mittwochs 14.15 – 16.45, online
Termine: 11.11., 18.11., 25.11.,
2.12., 9.12., 16.12. 2020
und 6.1., 13.1. 2021

»Man hört vier vernünftige Leute sich unterhalten, glaubt ihren Diskursen etwas abzugewinnen und die Eigentümlichkeiten der Instrumente kennen zu lernen.« Diese Anmerkung von J.W. von Goethe verweist auf zwei zentrale Grundzüge des Streichquartetts, den Charakter eines Gespräches von vier gleichberechtigt zu Wort kommenden Teilnehmern und der Homogenität einer gleichwertigen Individualität der Stimmen.

Das Streichquartett gilt als die edelste Formgattung nicht nur der Kammermusik, sondern der Instrumentalmusik überhaupt; es ist bis heute mit einer seltenen Kontinuität eine der dauerhaftesten Gattungen der Musikgeschichte von ungebrochener Aktualität. Diese Kompositionen für vier Streichinstrumente (zwei Violinen, Viola und Violoncello) stellten und stellten immer wieder einen immensen Prüfstein für höchste Kompositionskunst dar. Mit kleinen Mitteln muss eine kompositorische Konzentration auf engstem Raum geleistet werden.

Was in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit privaten Charakter durch die Beiträge von Haydn und Mozart begann, ließ sich bereits bei Beethoven, dessen Streichquartette einen Fluchtpunkt für die Vergangenheit und die Zukunft gleichermaßen darstellten, nur noch mit professionellen Ensembles realisieren. Ausgehend von diesen bedeutenden Werken werden anhand von unterschiedlichen Aspekten in dieser Vorlesung einige historische und gattungsgeschichtliche Besonderheiten thematisiert: die Einbindung von Liedelementen in die kompositorische Struktur (u.a. bei Haydn und Schubert) bis hin zur Integration der Gesangstimme (bei Schönberg und Berg), die Verknüpfung mit kontrapunktischen Techniken, die pausenlosen Satzfolgen (bei Bartok, Schönberg und Zemlinsky), die programmatischen Einflüsse in die geradezu prototypische Gattung absoluter Musik (u.a. bei Haydn und Schubert sowie ganz explizit bei Smetana und Janacek) und die Wandlung zu einer nach innen gerichteten poetischen Ausdrucksform (bei Nono) am Rande der Stille.